Tag 12: Die Sprache im Blog

Tag 12: Die Sprache im Blog

Wie steht es eigentlich mit der Sprache im Blog? Sind Blogposts ganz eigene Textsorten, handelt es sich um unreflektiertes Geschwafel oder sind es sogar ausgefeilte, professionelle Werke? Das sind spannende Fragen für mich als ambitionierter Blog-Newbie und noch viel mehr als Deutschlehrerin. Im heutigen Beitrag will ich der Antwort ein wenig auf die Spur kommen.

Was verbindet?

Das Blogverzeichnis Topblogs.de zählt aktuell 23044 Blogsin 21 verschiedenen Kategorien wie Autos, Bauhandwerk, Wirtschaft und Unterhaltung. Kaum zu glauben ist also, dass der einzelne Finanzblogger genauso schreibt wie es die Modebloggerin Nr. 2376 tut. Doch gleichzeitig ist ein Blogbeitrag ein eigenes Genre, ähnlich dem Tagebucheintrag. Wo ist also das Verbindende?

Gleiche Perspektive, verschiedene Texte

Laut wikipedia ist ein Blog „ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Blogger, international auch Weblogger genannt, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert („postet“) oder Gedanken niederschreibt.“ Dies klingt nach drei ganz unterschiedlichen Handlungen, zwei davon, nämlich das Aufzeichnen und das Protokollieren, weisen in Richtung eines Sachtextes. Wenn der Blogger aber seine Gedanken aufschreibt, so entsteht ein zutiefst individueller, subjektiver Text. Im Grunde genommen verfasst er dann einen Kommentar.

Sind die Schreibhandlungen auch unterschiedlich, so schreibt man aber in allen drei Varianten aus seiner eigenen Perspektive heraus, notiert, was man sieht, erlebt und denkt. Und das ist tatsächlich das erste Element, dass wir in allen Blogbeiträgen finden: Sie werden aus der Ich-Perspektive heraus verfasst, geben die Eindrücke eines Individuums wieder.

Dialog als Ziel und sprachliches Mittel

Doch ein Blog ist ja nicht nur eine Ansammlung von Beiträgen, vielmehr lebt es von Lesern, die kommentieren und mit dem Blogschreiber in Kontakt treten. In dem Moment wird der reine Blogpost zu einem Teil echter Kommunikation, eines wirklichen Austauschs. Der Text wird sozusagen dialogisch. Ich schreibe für dich, du liest und kommentierst und ich kann dir wiederum antworten. Vielleicht reagieren noch andere Leser und wir befinden uns in einer spannenden Diskussion.

Und das ist nicht nur ein Effekt von Blogposts, sondern eines der wichtigen Ziele, die Blogger verfolgen – Leser gewinnen, die nicht nur still und heimlich mitlesen, sondern aktiv werden, kommentieren, vernetzen und Wissen teilen. Und so findet man in vielen Beiträgen Aufforderungen und Fragen, die sich direkt an den Leser wenden. Das passiert unabhängig vom Thema und seiner Fachsprache. Das ist das zweite verbindende Element in der Sprache von Blogs.

Vernetzung von Texten

Eine Variante, als Blogger mit seinen Lesern in Kontakt zu kommen, sind Verlinkungen zu anderen Blogs und Webseiten. Da wird Bezug genommen auf andere Meinungen und Inhalte, dort wird eine Frage aufgegriffen und im eigenen Text beantwortet. Gleichzeitig vernetzt es Wissensgebiete miteinander, verbindet einzelne Perspektiven zu einem vielschichtigen Hypertext. Somit ist ein Blogeintrag eigentlich nicht dafür gemacht, alleine zu wirken. Er soll ein Baustein sein in der Blogosphäre, der wiederum wie ein Dominostein neue Texte anregt und als neuer Knoten in einem größeren Wissensnetz fungiert.

Es wird sehr deutlich, dass der Blog von seiner Wirkung lebt, und der Blogger damit das Kunststück schaffen muss, dass sein Text genau den Effekt auf den Leser hat, dass er wirken kann. Doch wie macht man das? Wie geht das? Nun, im Prinzip funktioniert das wie bei allen guten Texten. Zunächst einmal muss der Leser in seinen Bedürfnissen angesprochen werden, dann muss der Text von Beginn an Lust auf mehr machen und im letzten Schritt eine Beziehung zum Leser aufbauen, ihn einbinden.

Leser abholen

Um meinen Leser abzuholen, mus ich wissen was er will und was er bei mir auf dem Blog sucht. Und das kann man ganz wörtlich nehmen. In den meisten Fällen wird ein Besucher von Google zu mir geschickt, weil er eine Suchanfrage hatte und die Suchmaschine meint, bei mir könnte er die Antwort finden. Ob er nun auf der Suche nach romantischen Liebesgedichten oder ganz praktischen Anleitungen für selbstgenähte Handtaschen war, ich sollte jetzt mit meinem Blogpost passende Ergebnisse liefern.

Nun kommt die große Chance deines und meines Blogposts. Der Leser öffnet deine Seite und überfliegt die ersten Worte, die ersten Zeichen. Und glaubt man Wolf Schneider, dem Autor des Klassikers „Deutsch für junge Profis“, so sind das nicht viel mehr Zeichen als bei einer Twitternachricht. Konnte der Text bis hierhin nicht überzeugen und zumindest einen Teaser auf die gesuchte Antwort liefern, stehen die Chancen schlecht, dass der Blogbesucher noch lange bleibt. Das muss man wissen und handeln: Die Überschrift und der erste kurze Teil eines Beitrags sollten ganz besonders gut formuliert sein. Hier muss gefesselt werden, hier muss ganz klar werden, was noch kommt und hier muss sich der Leser angesprochen fühlen.

Kopfkino statt Geschwätz

Also gilt es, das Thema des eigenen Blogbeitrags klar und transparent zu machen, über das SEO gute Hinweise auf meine Inhalte zu vermitteln und passgenau zu verlinken. Aber auch der Inhalt muss stimmen. Wenn man einen Blogbeitrag schreibt, sollte man auch etwas zu sagen haben. Wolf Schneider beklagt so zum Beispiel, dass 2/3 aller Blogbeiträge „trauriges Geschwätz“ seien, da schlichtweg die Substanz fehle. Auch wenn ich diese Aussage für zu kritisch halte, denke ich doch, dass der Appell dahinter wichtig ist: Schreibt so, dass eure Leser etwas für sich mitnehmen können, idealerweise die Antwort auf ihre Suchanfrage!

Ein guter Text fesselt seinen Leser, indem er das berühmte Kopfkino erzeugt. Beim Lesen ploppen Bilder in den Gedanken auf, man spürt etwas, sei es Verwunderung, Bewunderung oder schlichtweg Neugier. Das glt auch für einen Blogpost. Somit ist das Schlimmste was man in dieser Hinsicht machen kann, sich in Verallgemeinerungen und Abstraktionen zu verlieren. Stattdessen gilt es, so konkret wie möglich zu schildern und das Detail für das Ganze wirken zu lassen. Statt von der Zeichensetzung zu reden, kann man Punkt, Komma und das Semikolon zu Wort kommen lassen, das falsch gesetzte Apostroph wird zum Paradebeispiel dafür, wie es nicht laufen sollte.

Nicht nur Sprache im Blog, sondern auch Gespräch

Das Ganze sollte jetzt noch den Leser aktiv einbinden. Gib nicht nur Antworten, sondern stelle ihm Fragen. Sprich ihn an, rede mit ihm und schreibe weniger über ihn. Und wenn es gut läuft, dann lebt und wächst dein Blogbeitrag in den Kommentaren weiter – da ist der Blogpost eine der wenigen Texte, die diese Möglichkeit bekommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.