Julia Profijt: Allein kann ja jeder

Julia Profijt: Allein kann ja jeder

Als erstes Buch dieser Bücherchallenge habe ich mir den Roman „Allein kann ja jeder“ von Julia Profijt ausgewählt, der im Jahre 2016 im dtv-Verlag erschien. Er handelt von einer ungewöhnlichen WG, die eine alte Villa besetzt und einen Mord aufklärt.

Inhalt

Eigentlich hatte die verrückte Yoga-Oma Rosa sich ihren Lebensabend an Roberts Seite vorgestellt, zusammen in der frisch gekauften Neubauwohnung am Rhein. Doch jetzt ist er tot und der Mörder ist auf und davon. Das ist auch das Geld für die Wohnung, denn der Immobilienverkäufer hat sich damit abgeseilt und auf dem Baugrundstück steht kein Neubau, sondern noch immer die verlassene Villa Zucker.

Rosa und zwei weiteren geprellten Opfern bleibt nichts anderes übrig, als gemeinsam das alte Anwesen zu besetzen. Auch Tochter Ella, deren Ex-Mann sie auf die Straße gesetzt hat und Enkelin Kim ziehen notgedrungen mit ein.

Gemeinsam versuchen sie nun, an das unterschlagene Geld zu kommen und decken so nebenbei den Mord an Robert auf.

Meine Eindruck

Eine durchaus unterhaltsame Lektüre verbirgt sich hinter dem Cover, auf dem eine Dame rücklings auf einer grünen Wiese vor uns meditiert. Dass es sich um die schrille 71-jährige Rosa handeln könnte, wird schnell klar.

Julia Profijt zeichnet in ihrem Roman klar erkennbare, leicht überspitzte Figuren, die einen allesamt zum Schmunzeln bringen. Ob es die pubertierende Kim, der umsorgende ehemalige Unternehmer oder der recht unterkühlte Physiklehrer Seefeld ist – zusammen bilden sie eine Schicksalsgemeinschaft, die sich illegal in der verlassenen Villa niederlassen.

Somit wird schon klar, dass das gemeinsame WG-Leben reichlich Spannungen und humorvolle Gegensätze bietet. Auf gut 300 Seiten lässt die Autorin ihre Charakte kleine Familiendramen, große Gefühle, Liebesgeschichten und Wutanfälle erleben. Und fast nebenbei entwirren sie gleich zwei schicksalhafte Kriminalfälle. Trotz dieser Dramatik liest sich das Buch höchst leichtgängig und bietet damit die perfekte Strandlektüre.

Ich selbst habe das Buch in nicht mal ganz zwei Tagen verschlungen, da immer wieder neue Handlungsstränge und Fragen auftauchten, denen man auf den Grund gehen wollte. Auch blitzen in der Story über die Hausbesetzer-WG immer wieder tiefgründige Themen auf, die die Gesellschaft und ihre Moralvorstellungen betreffen. Diese werden aber leider nur sehr oberflächlich angekratzt, hätten dem Roman aber durchaus mehr Tiefgang geben können.

Am Ende, das zu weiten Teilen ein Happy-End für die Protagonisten zu sein scheint, bleiben dennoch viele Fragen offen. Was passiert mit Mardi? Kann Seefeld Kim letztendlich von sich überzeugen? Und was verbirgt sich hinter Schmitts Vergangenheit?

Vielleicht werden diese Fragen in den Folgebänden beantwortet („Zusammen ist (k)ein Zuckerschlecken“ (2016) und „Alle für einen“ (2018)) und der Leser erfährt noch ein wenig mehr von der lustigen, chaotischen WG in der besetzten Villa Zucker.

Fazit

Insgesamt lässt sich „Allein kann ja jeder“ als nette Sommerlektüre uneingeschränkt empfehlen. Es ist unterhaltsam und lässt einen den Alltag vergessen. Allerdings darf man nicht auf einen allzu großen Tiefgang und weltbewegende Themen hoffen.

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