Dave Eggers: Bis an die Grenze

Dave Eggers: Bis an die Grenze

Das zweite Buch der Buch-Challenge ist der im Jahr 2017 erschienene Roman „Bis an die Grenze“ von Dave Eggers. Der amerikanische Schriftsteller ist unter anderem bekannt geworden mit seinen Werken „Ein Hologramm für den König“ (2012) und „The Circle“ (2013). Beide Bücher wurden auch verfilmt. Und wer weiß – vielleicht reiht sich das folgende Buch auch in diese Liste ein.

Inhalt

Josie ist Zahnärztin, allerdings musste sie wegen einer Klage ihre Praxis schließen. Auch ihr Exmann, der sich als ziemliche Enttäuschung herausgestellt hat, will auf einmal nur wegen der neuen Frau und ihrer Familie die Kinder für eine Weile zu sich holen. Da nimmt sie Reißaus und flüchtet mit einem alten Wohnmobil nach Alaska, dem am weitesten gelegenen Ort, den sie ohne Reisepass für die Kinder erreichen kann. Außerdem lebt dort Sam, mit der sie wie mit einer Schwester zusammengelebt hat.

In Alaska fühlt sie sich aber noch immer am falschen Ort und wird ständig von ihrer Vergangenheit eingeholt, so dass sie rastlos umherzieht und ständig vor neuen Bedrohungen flieht. So fühlt sie sich nicht nur von ihrem Exmann verfolgt, sondern gerät auch in die Gefahrenzone von Waldbränden und schweren Stürmen. Doch am Ziel der Reise klärt sich so manche Unwägbarkeit und Josie scheint ein wenig zu sich selbst zurückzufinden.

Mein Eindruck

Als ich zu lesen anfing, erwartete ich eigentlich ein lustig-chaotisches Abenteuer und eine Protagonistin, die sich auf den knapp 500 Seiten stark der Unfairness des Lebens entgegenstellt. Auch die Kulisse – Alaska – übte eine gewisse Anziehung aus, hoffte ich doch auf bildreiche Beschreibungen der Natur und der dort zu findenden Freiheit. Vielleicht startete ich so, wie es auch Josie aus dem Roman tat: voller Erwartungen.

Doch schnell zeigte sich, dass die Geschichte so wie das Leben es manchmal anders geplant hat. So erlebt man als Leser jede Menge Chaos und Abenteuer, doch aus der vermeintlich rebellischen Mutter wird schnell eine zutiefst verzweifelte Figur. Gefangen von den Erinnerungen an tragische Fehlentscheidungen und dem ständigen Kampf mit den eigenen Erwartungen erzeugt die Gedankenwelt von Josie einen reinsten Strudel an Unordnung und Hektik, dem nur der achtjährige Sohn Paul als scheinbar erwachsener Gegenpart etwas Tempo nehmen kann.

Wann immer der Autor einen in seinem Roman an einen Ruhepol zu bringen scheint, zerbricht die Idylle an Naturgewalten oder Rückblenden, die in die Gegenwart hinein wirken. So ist die Reise durch das Buch ein ständiges Gefühlsdurcheinander. Mal spürt man die Vorfreude auf die nächste Etappe der kleinen Familie, immer in den Hoffnung, dort die Ruhe und Magie Alaskas zu entdecken, dann wieder müht man sich mit den wirren Gedankenfetzen der Zahnärztin und kann die innere Zerrissenheit schmerzhaft nachempfinden. Im nächsten Augenblick atmet man erleichtert auf und sieht die Sonne wieder durch die Bäume blitzen, nur um zu erkennen, dass es nicht die Sonne, sondern ein Waldbrand ist, der einen erneut in die Flucht schlägt.

Auch das Ende, so hoffnungsvoll es auch wirkt, bleibt letztendlich doch offen und lässt einen die letzte Seite mit angehaltenem Atem umschlagen.

Fazit

Auch wenn „Bis an die Grenze“ anders war, als ich es zu Beginn dachte, ist es ein Roman, den man zu Ende lesen möchte. Ganz klar ist es keine klassische Urlaubslektüre, die einen sanft und umschmeichelnd in andere Gefilde trägt. Aber es nimmt einen aus dem Alltag und regt die eigenen inneren Welten an. Als Leser ist man so herausgefordert, nicht nur die Zweifel der Protagonistin zu durchleben, sondern kommt auch an seine eigenen Grenzen, seine eigenen Zweifel und Unsicherheiten.

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