Bücherchallenge – Ulrike Schweikert: Die Charité

Bücherchallenge – Ulrike Schweikert: Die Charité

Der Roman „Die Charité“ von Ulrike Schweikert spielt im Berlin des 19.Jahrhunderts, genauer gesagt in der Charité. Dort erleben wir das Schicksal der Krankenwärterin Elisabeth, des Professors Dieffenbach, der von ihm verehrten Gräfin Ludovica und der Hebamme Martha.

Sie alle müssen sich nicht nur dem Kampf gegen Krankheit und Tod stellen, sondern stoßen auch an gesellschaftliche Strukturen, die es um des persönlichen Glückes wegen zu überwinden gilt.

Darum geht’s in „Die Charité“

Die Wärterin Elisabeth hat sich so bewusst gegen die herkömmliche Rolle als Ehefrau entschieden und möchte sich stattdessen als Pflegerin um die Patienten kümmern. Dabei stellt sie immer mehr fest, dass nicht alle ihrer Kolleginnen und längst auch nicht jeder Arzt diese Aufgabe genauso gewissenhaft ausüben wie sie. Doch ihr Einsatz beschert ihr nicht nur Feinde. Schon bald entwickelt sich aus den Streitereien mit Dr. Heydecker mehr.

Auch die Hebamme Martha steht Elisabeth bei. Sie hat nach einer dramatischen Entscheidung bei einer Geburt dem Hebammenberuf den Rücken gekehrt und arbeitet nun im Totenhaus der Charité, wo sie bei Sektionen hilft und Präparate erstellt. So wie sie hat auch ihr kleiner Sohn, der einen auffälligen Sehfehler hat, in dem Krankenhaus ein Zuhause gefunden.

Der Forschergeist Professor Dieffenbach schätzt gleichsam die Arbeit von Elisabeth und Martha. So betraut er sie schon bald mit Aufgaben, die über die normale Tätigkeit einer Krankenwärterin hinausgehen. Sie ist ihm damit eine Stütze, wenn er neue Operationsmethoden erforscht oder gegen die Cholera kämpfen muss. Doch einen besonders großen Rückhalt findet er dabei bei der Gräfin Ludovica, die bald schon mehr als nur eine gute und interessierte Freundin ist.

Mein Eindruck

Als ich mich für dieses Buch entschied, war ich mir nicht sicher, ob ich die Literaturvorgabe der Fernsehserie über die Charité in den Händen hielt. Doch schnell wurde mir klar, dass die Geschichten an einem früheren Zeitpunkt angesiedelt sind, nämlich von 1831 bis etwa 1847. Namentlich taucht Virchow dann auch als junger Arzt auf, der gerade erst an die Charité kommt.

Viele dieser Geschichten beruhen auf Berichten aus der Geschichte der Charité. Das macht es um so spannender, den Roman von Ulrike Schweikert zu lesen. Man fiebert nicht nur mit den Charakteren mit, sondern lernt noch eine Menge über die damalige gesellschaftliche und medizinische Situation in Preußen.

Dadurch, dass die Autorin die Perspektive in ihrem Roman immer wieder wechselt, durchlebt man die Schicksale der Hauptfiguren hautnah mit und kann sich schnell in die einzelnen Situationen hineinversetzen. Doch nicht nur die Einzelschicksale berührten mich als Leser. Auch der Gesamtkontext machte immer mal wieder sprachlos oder erzeugte Erstaunen. Allein die Vorstellung, wie Behandlungen im 19. Jahrhundert aussahen, sorgte für reichlich Gänsehaut und Dankbarkeit für die heutige Versorgung.

Mein Fazit

Insgesamt kann ich den historischen Roman voll und ganz weiterempfehlen. Alle diejenigen, die gerne in früheren Zeiten stöbern und sich ein wenig für Medizingeschichte interessieren, werden begeistert sein. Aber auch alle anderen werden das Buch bestimmt schnell verschlingen und Freude an den Erlebnissen der Protagonisten haben.

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